Sehr geehrte Aktionäre, sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,
verehrte Gäste und Vertreter der Medien,
im Namen des gesamten Jenoptik-Vorstands begrüße ich Sie recht herzlich zur 7. ordentlichen Hauptversammlung der JENOPTIK AG in Weimar.
Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter uns. Wir haben viel geschafft. Wenn Sie sich zurückerinnern - vor einem Jahr an gleicher Stelle habe ich Ihnen eine Reihe von Zielen angekündigt. Heute kann ich Ihnen sagen: Wir haben bei allem Wort gehalten und konnten teilweise sogar noch mehr erreichen.
1) Der Konzern ist nicht nur in die Gewinnzone zurückgekehrt. Wir haben 2004 eines der besten Geschäftsjahre unserer Unternehmensgeschichte absolviert.
2) Unsere Nettoverschuldung hat sich deutlich verringert, die Eigenkapitalquote stieg.
3) Wir haben den Unternehmensbereich Clean Systems neu ausgerichtet und
4) den Unternehmensbereich Photonics weiter ausgebaut.
Diese vier Punkte, besonders aber die letzten zwei, sind wichtige Voraussetzungen, um den Konzern nun weiter zu entwickeln. Für die von uns geplante strategische Neuausrichtung der Jenoptik, die ich Ihnen gleich ausführlich schildern werde, haben wir 2004 eine sehr gute Ausgangsposition geschaffen.
Lassen Sie mich daher zunächst kurz auf die Zahlen des vergangenen Geschäftsjahres eingehen und den Konzern darstellen, wie er sich Ihnen heute präsentiert:
Erstmals haben wir am 19. April dieses Jahres unseren Konzernabschluss für die Jahre 2003 und 2004 nach den international anerkannten Financial Reporting Standards (IFRS) veröffentlicht. Mit jenen Zahlen, die wir in den vorausgegangenen Jahren präsentierten, ist unser Konzernjahresabschluss damit nicht mehr vergleichbar. Wesentliche Änderungen sind vor allem die Aufnahme unseres Immobilienvermögens in die Bilanz sowie latente, nicht zahlungswirksame Steuern.
Verehrte Aktionäre, das Geschäftsjahr 2004 war eines der erfolgreichsten unserer Unternehmensgeschichte. Wir haben einen Umsatzsprung auf 2,5 Milliarden Euro erreicht. Zu dieser deutlichen Steigerung um 31 Prozent trugen beide Unternehmensbereiche - Clean Systems und Photonics bei.
Auch das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit, das EBIT, stieg kräftig - von 9 Millionen Euro im Jahr 2003 auf 81,1 Millionen Euro im Jahr 2004. Das resultiert aus dem Umsatzwachstum, aber auch aus Kosteneinsparungen, die wir vor allem bei Clean Systems hatten. Besonders hervorheben möchte ich: Dieses Ergebnis kommt allein aus unseren Erfolgen im operativen Geschäft. Wir hatten zwar auch 2004 Sondereffekte, diese haben sich aber im Saldo gegenseitig aufgehoben. Unser Konzernergebnis nach Steuern lag 2004 bei 19 Millionen Euro.
Was sich hier recht schnell vorträgt, war und ist harte Arbeit unserer Mitarbeiter, die täglich an neuen, zukunftsweisenden Produkten forschen und sich mit diesen Produkten - sei es nun ein Laser oder das Angebot für eine schlüsselfertige Chipfabrik - im globalen Wettbewerb behaupten. Daher möchte ich bereits an dieser Stelle meinen Dank an unsere Mitarbeiter aussprechen, ohne die unser Erfolg am Markt nicht denkbar wäre.
Die hervorragende Arbeit unserer Belegschaft spiegelt sich zuerst im Auftragseingang und Auftragsbestand wider. Und auch hier blicken wir auf ein sehr gutes Jahr.
2004 erhielten wir Aufträge im Wert von 2,37 Milliarden Euro, ein leichter Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Sehr verehrte Damen und Herren, dass wir den Rekordauftragseingang von 2003 übertreffen können, hätten wir nicht gedacht. Im Auftragseingang 2003 enthalten war der Großauftrag von AMD über 380 Millionen Euro für eine Chipfabrik in Dresden. Und so einen Auftrag erhält man - auch wenn die Chipfabriken immer größer und immer teurer werden - nicht alle Tage.
Erwartungsgemäß nicht anknüpfen konnten wir mit 1,87 Milliarden Euro an den hohen Auftragsbestand von 2003, in dem der genannte AMD-Auftrag noch umfangreicher in unseren Auftragsbüchern stand. Ende 2004 war bereits ein großer Teil dieses und auch anderer großer Aufträge abgearbeitet und somit nicht mehr im Auftragsbestand enthalten. Außerdem war der Auftragsbestand des Ende 2004 entkonsolidierten Bereichs Gebäudetechnik nicht mehr enthalten.
Sehr geehrte Damen und Herren, eines unserer wichtigsten Ziele für 2004 war es, die Finanzbasis des Konzerns weiter zu verbessern. Und auch dies ist uns gelungen. Wir haben die Nettoverschuldung per 31. Dezember 2004 um mehr als 130 Millionen Euro zurückgeführt. Neben dem positiven Liquiditätsüberschuss haben dazu auch die Aufhebung von Generalmietverträgen für Immobilien sowie der Verkauf einer Beteiligung an der Chipfabrik SC300 von Infineon in Dresden beigetragen.
Die Eigenkapitalquote lag mit 23,7 Prozent wieder deutlich über der 20-Prozent-Marke. Das positive Konzernergebnis und eine Sachkapitalerhöhung stärkten unser Eigenkapital. Im Herbst 2004 hatten wir die 2. Kaufpreisrate für die Wahl optoparts GmbH in Aktien bezahlt. Unter Ausnutzung unseres genehmigten Kapitals haben wir unser Grundkapital um rund 8,3 Millionen Euro erhöht. Die Ausgabe der fast 3,2 Millionen Aktien unter Ausschluss des Bezugsrechtes der Aktionäre erfolgte unter Berücksichtigung des aktuellen Börsenpreises zum Zeitpunkt der Ausgabe.
Unsere klassischen Kapitalmaßnahmen, deren Großteil wir bereits 2003 mit einer Kapitalerhöhung und einer Anleihe platzierten, vervollständigten wir im Sommer 2004 mit einer Wandelanleihe über nominal 62,1 Millionen Euro. Der Jenoptik-Konzern war damit zum 31. Dezember 2004 fast ausschließlich langfristig und zu einem sehr großen Teil unabhängig von Banken finanziert.
Jedoch, sehr verehrte Aktionäre, wird unsere solide Finanzdecke unserer Meinung nach in der Zukunft nicht ausreichen, um beide Unternehmensbereiche mit ausreichend Kapital zu versorgen. Und zwar so adäquat, dass beide gleichermaßen ihr starkes Wachstum der vergangenen zehn Jahre auch in den kommenden Jahren fortsetzen können.
1994 erwarb Jenoptik das Unternehmen Meissner+Wurst, das damals mit etwa 700 Mitarbeitern rund 170 Millionen Euro Umsatz erzielte. Wir haben dieses Geschäft weiterentwickelt und strategisch ergänzt. Ein wichtiger Schritt war 1998 die Fusion von Meissner+Wurst mit der Nürnberger Zander Klimatechnik AG. Weiterhin beispielhaft nennen möchte ich den Erwerb von Lang und Peitler, spezialisiert auf Automatisierungslösungen in der pharmazeutischen und chemischen Industrie, oder den Erwerb der US-Gesellschaft Lester B. Knight, die den Einstieg von M+W Zander in den amerikanischen Markt für Forschungszentren, besonders in der Nanotechnologie erleichterte.
Unter dem Dach der Jenoptik hat sich das Geschäftsvolumen von M+W Zander von 1994 bis heute mehr als verzehnfacht. 2004 erzielten rund 7.000 Mitarbeiter einen Umsatz von 2,15 Milliarden Euro. M+W Zander ist heute eine global aufgestellte Unternehmensgruppe rund um den industriellen Anlagenbau. Der größte Teil des Umsatzes kam mit rund 1 Milliarde Euro 2004 aus der weltweiten Elektronikindustrie.
Das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit der M+W Zander-Gruppe erreichte im abgelaufenen Geschäftsjahr 46 Millionen Euro - eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr um absolut ca. 53 Millionen Euro. Sondereffekte, die das Ergebnis beeinflussten, haben sich im Saldo gegenseitig wieder aufgehoben. Den rund 36 Millionen Euro Sondererträgen aus dem Verkauf einer Beteiligung und eines Projektgebäudes standen rund 32 Millionen Euro Entkonsolidierungsverlust und Restrukturierungsaufwendungen im Bereich Gebäudetechnik gegenüber.
Mit einem Auftragseingang von 1,94 Milliarden Euro übertraf M+W Zander das Vorjahresniveau leicht - trotz des bereits genannten AMD Auftrages im Jahr 2003. Hohe Umsätze und die Entkonsolidierung des Bereiches Gebäudetechnik, zu dem ich Ihnen gleich noch ein paar Worte sagen werde, führten Ende 2004 zu einem erwartungsgemäß niedrigeren Auftragsbestand in Höhe von 1,45 Milliarden Euro.
Sehr geehrte Damen und Herren, unser Unternehmensbereich Photonics, in dem auch die in Jena ansässigen Aktivitäten im Bereich Laser, Optik und Sensorik gebündelt sind, war vor zehn Jahren noch gar nicht existent. Wie sicher die meisten von Ihnen wissen, startete Jenoptik Anfang der neunziger Jahre als Regionalentwickler - ohne marktfähige Produkte, ohne Vertriebskanäle und schon gar nicht international. Damals waren die hervorragend ausgebildeten und hochmotivierten Mitarbeiter unser einziges Potenzial.
Mein Vorgänger und heutiger Aufsichtsratschef Lothar Späth verfolgte eine erfolgreiche wie auch außergewöhnliche Strategie, dieses nicht existente Geschäft aufzubauen: Er erwarb am Markt etablierte Unternehmen in den alten Bundesländern, um Marktzugang zu erhalten. Neben Meissner+Wurst, damals noch im Bereich Halbleiterausrüstung aktiv und somit in naher Verwandtschaft zum Jenaer Know-how im ehemaligen Bereich Mikrofertigungstechnik, waren dies auch die ESW-Extel Systems Wedel, die Robot Visual Systems mit Sitz in Monheim oder die Hommelwerke GmbH, Villingen-Schwenningen, um an dieser Stelle nur einige zu nennen. Diese Gesellschaften wurden mit in Jena vorhandenem Wissen rund um Optik und Präzisionsmechanik zusammengeführt: Unter dem quasi schützenden Dach von M+W Zander entwickelte sich daraus ein Unternehmensverbund für photonische Technologien, Komponenten und Systeme auf einer gemeinsamen Basis: Licht als industrielles Werkzeug.
Der Unternehmensbereich Photonics wächst stetig. In den letzten vier Jahren lag das organische Wachstum inklusive kleinerer Akquisitionen bei etwa 11 Prozent jährlich. Das Ergebnis legte mit einer jährlichen Wachstumsrate von etwa 13 Prozent dabei stärker als der Umsatz zu. Die EBIT-Marge liegt seitdem konstant zwischen 9 und 10 Prozent.
Im Jahr 2004 erreichte der Photonics-Umsatz rund 360 Millionen Euro und ist damit noch höher ausgefallen als wir ursprünglich erwartet hatten. Etwa 40 Millionen Euro Umsatz kamen aus den beiden Ende 2003 erworbenen Gesellschaften Wahl optoparts und Lechmotoren, das übrige Plus gegenüber dem Vorjahr (280 Millionen Euro Umsatz) ist rein internes Wachstum. Etwas stärker als der Umsatz legte 2004 das Betriebsergebnis zu. Es betrug
34 Millionen Euro. Dies entspricht einer EBIT-Marge von 9,6 Prozent.
Äußerst positiv entwickelt hat sich auch die Auftragslage des Unternehmensbereiches Photonics. Der Auftragseingang lag mit 418,6 Millionen Euro um 27 Prozent höher als 2003, auf vergleichbarer Basis (bereinigt um die beiden neuen Gesellschaften) stieg er um 14 Prozent. Der Auftragsbestand erhöhte sich auf 421 Millionen Euro.
Auch 2004 haben wir den Ausbau des Unternehmensbereiches Photonics fortgesetzt. Der Schwerpunkt lag dabei in der stärkeren Vernetzung der Geschäfte untereinander. Vertriebs- und Forschungsplattformen führen die Spezialisten auf diesen Gebieten regelmäßig zusammen. Neue, bereichsübergreifende Projekte werden diskutiert und angegangen. Ein erstes Produkt zum Beispiel haben wir im Frühjahr dieses Jahres vorgestellt: Eine 11-Millionen-Pixel-Kamera mit hoher Dynamik für den Einsatz in der Verkehrssicherheitstechnik. Sie wurde hier in Jena in unserem Kompetenzcenter "Digital Imaging" entwickelt. Unsere Tochter in der Nähe von Düsseldorf, die Robot Visual Systems GmbH integriert die Kamera in Verkehrssicherheitssysteme und vertreibt diese weltweit.
Die beiden Ende 2003 erworbenen Gesellschaften Wahl optoparts und Lechmotoren haben wir im letzten Geschäftsjahr integriert. Darüber hinaus erwarben wir 2004 zwei kleinere Gesellschaften bzw. Betriebseinheiten: Das Göttinger Start-up Innovavent erforscht die industrielle Anwendung neuer Lasertypen. Der ehemalige Betriebsteil Gießen der Linos AG, den wir erwarben, ist spezialisiert auf die Entwicklung und Fertigung optischer Komponenten, die wir in unsere Lasersysteme integrieren.
Sehr verehrte Aktionäre, bis hier habe ich Ihnen Ihr Unternehmen skizziert, wie es heute steht und in Zügen auch, woher es kommt. Sicher rührt Vieles, das die Jenoptik heute außerordentlich komplex und vielschichtig erscheinen lässt, aus unser einzigartigen unternehmensgeschichtlichen Entwicklung. Diese einzigartige Geschichte machte uns zu einem etwas besonderen Unternehmen - nicht im Sinne von elitär - sondern indem wir immer wieder gefordert waren, schnell, flexibel und vor allem beweglich zu sein.
Der kurze Blick auch in die Vergangenheit ist notwendig, um Ihnen unsere Vorhaben für die Zukunft der Jenoptik zu schildern. Wie Sie der Einladung zur ordentlichen Hauptversammlung und auch unserer jüngsten Berichterstattung entnehmen konnten, bitten wir Sie, einer Entflechtung der M+W Zander-Gruppe vom Jenoptik-Konzern zuzustimmen. Danach würde Jenoptik allein aus dem heutigen Unternehmensbereich Photonics bestehen und sich auf ihr historisches Stammgeschäft konzentrieren.
Warum glauben wir, dass eine Entflechtung des M+W Zander-Teilkonzerns in Zukunft vorteilhaft für den Jenoptik-Konzern ist?
Wie ich bereits erwähnte, ermöglichte M+W Zander die erfolgreiche Entwicklung der Photonics-Aktivitäten. Andererseits profitierte der Stuttgarter Anlagenbauer von der Finanzkraft der Jenoptik. Beide Unternehmensbereiche sind heute stark genug, um auf eigenen Füßen zu stehen.
Die Entwicklung der Jenoptik der letzten Jahre sowie die Markt- und Finanzierungsbedingungen sprechen jedoch heute klar für eine unabhängige Geschäftsplattform der Unternehmensbereiche:
1) Die Geschäfte weisen untereinander keine Synergien mehr auf und basieren auf sehr unterschiedlichen Geschäftsmodellen: forschungsintensive Hochtechnologie auf der einen und hochentwickelter Anlagenbau mit langfristigen Großprojekten und umfassendem Dienstleistungsgeschäft auf der anderen Seite.
2) Wir sind nicht in der Lage, beide Unternehmensbereiche so mit finanziellen Mitteln auszustatten, dass sie ihr starkes Wachstum der vergangenen Jahre auch in Zukunft fortsetzen können. Neben organischem Wachstum sind zur Weiterentwicklung Akquisitionen unerlässlich, die ebenfalls einen erheblichen Finanzbedarf fordern.
Und schließlich 3) Es ist zunehmend zu verspüren, dass Kapitalanleger verstärkt in klar positionierte Untenehmen investieren wollen; auch gegenüber Kreditinstituten ist dieses von Vorteil. Wir glauben, dass wir unseren Holding-Abschlag beim Aktienkurs auflösen können.
Wir wollen den Teilkonzern M+W Zander mittelfristig als Ganzes aus dem Jenoptik-Konzern herauslösen. Sollte dies nicht möglich sein, werden wir bis auf Weiteres an einem attraktiven Beteiligungsportfolio rund um das weltweite Anlagenbau- und Dienstleistungsgeschäft beteiligt bleiben.
Mit der umfassenden Neuausrichtung in den vergangenen zwei Jahren hat M+W Zander für diesen Schritt gute Voraussetzungen geschaffen. Die neuen Strukturen, die hier eingeführt wurden, sind offen für neue Anteilseigner. Sie folgen gleichzeitig dem Prinzip, die Eigentümerstrukturen so zu gestalten, wie es die beste Lösung für den jeweiligen Markt ist.
Die Zahlen der ersten Geschäftsmonate 2005 der M+W Zander Gebäudetechnik GmbH, an der nun in einem hohen Maß das eigene Management beteiligt ist, sprechen dafür. Die Mehrheit der Anteile am Bereich Gebäudetechnik haben wir Ende 2004 an das Management und eine Beteiligungsgesellschaft abgegeben. Der Bereich Gebäudetechnik verfügt damit über die notwendige Struktur, die das eher mittelständisch geprägte schwierige Marktumfeld verlangt - unter anderem eine hohe Eigenverantwortung des Managements. In Vorbereitung auf das Management-Buy-out hatten wir zum 1. Juli 2004 den Bereich Gebäudetechnik in eine eigenständige Gesellschaft überführt.
Im Herbst 2004 wurden alle Aktivitäten von M+W Zander für die Elektronikindustrie in einer Gesellschaft mit Sitz in Singapur gebündelt. Sie werden seitdem auch aus Singapur und damit dem Schwerpunktmarkt Asien heraus geführt. Wir arbeiten daran, diese Gesellschaft an die Börse in Singapur zu führen.
Wie Sie unseren Schritten entnehmen können, verfolgen wir einen Weg, bei dem wir sorgfältig alle Chancen und Risiken abwägen, um die Entflechtung M+W Zanders von der Jenoptik bestmöglich im Interesse aller durchzuführen.
In diesem Sinne haben wir uns auch entschieden, den geplanten Börsengang des weltweiten Elektronik-Geschäftes nicht mehr im 1. Halbjahr dieses Jahres durchzuführen und in Ruhe ein besseres Zeitfenster für Börsengänge abzuwarten. Dazu bewogen hat uns die Analyse der jüngsten Erstnotierungen in Singapur.
Verehrte Damen und Herren, unser Ziel ist es, unsere beiden momentanen Teilkonzerne - sowohl eine auf Photonics konzentrierte Jenoptik, als auch M+W Zander - für die Anteilseigner, Kunden und Mitarbeiter attraktiver zu gestalten. Solch große Veränderungen, wie wir sie in den letzten Monaten auf den Weg gebracht haben und die wir für die kommenden Monate planen, brauchen einen abgesicherten finanziellen Handlungsrahmen. Aus diesem Grund haben wir auch nach dem guten Jahr 2004 vorgeschlagen, keine Dividende auszuzahlen.
Den Ausbau des Unternehmensbereiches Photonics, den wir seit Jahren parallel zur Neuausrichtung von M+W Zander vorangetrieben haben, wollen wir 2005 weiter fortsetzen. Auch dafür brauchen wir finanziellen Spielraum - sowohl durch die Möglichkeit, Aktien auszugeben, als auch durch Zahlungsüberschüsse unseres operativen Geschäfts. Was die Finanzkraft aus unserem operativen Geschäft heraus betrifft, so sind wir auf einem guten Weg.
Lassen Sie mich Ihnen an dieser Stelle noch einige Worte zum laufenden Geschäftsjahr sagen:
Für den Gesamtkonzern planen wir im laufenden Geschäftsjahr einen Umsatz zwischen 1,9 und 2,1 Milliarden Euro und damit auf vergleichbarer Basis auf dem hohen Vorjahresniveau. Eine vergleichbare Basis stellen wir durch das Herausnehmen der Gebäudetechnik aus den 2004-er Zahlen her, da im laufenden Geschäftsjahr die Gebäudetechnik bei M+W Zander nicht mehr enthalten ist.
Beim Ergebnis des Gesamtkonzerns wollen wir an das hohe Vorjahresniveau anknüpfen. Das Konzern-EBIT soll zwischen 60 und 70 Millionen Euro liegen. Was die Planungen für das Gesamtjahr 2005 betrifft, so waren wir hier eher etwas zurückhaltend - zumal wir nicht wissen, wie der Konzern am Ende dieses Geschäftsjahres konkret aussehen wird.
Ein erfolgreiches erstes Quartal 2005 lässt uns unsere Ziele für das Jahr 2005 bekräftigen. Unsere Zahlen - sowohl für 2004 als auch für das 1. Quartal 2005 - sprechen für die umfangreiche Neuausrichtung von Clean Systems sowie den Ausbau des Unternehmensbereiches Photonics gleichermaßen.
In den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres erzielte Jenoptik einen Umsatz von 409 Millionen Euro der auf vergleichbarer Basis deutlich höher als im Vorjahr lag, da der Bereich Gebäudetechnik nicht mehr in den Zahlen zum 1. Quartal 2005 enthalten ist. Das Konzern-EBIT im 1. Quartal erreichte 10,8 Millionen Euro. Dies ist - positive Sondereffekte des Vorjahres herausgerechnet - ebenfalls eine deutliche operative Steigerung.
Der starke Auftragseingang hat sich auch in den ersten Geschäftsmonaten des laufenden Jahres fortgesetzt. Er lag bei 756 Millionen Euro, der Auftragsbestand bei 2,3 Milliarden Euro - und damit auf vergleichbarer Basis höher als vor einem Jahr.
Weiter gestiegen auf nunmehr 380 Millionen Euro ist das Eigenkapital. Neben dem positiven Ergebnis nach Steuern hat hier auch die hervorragende Entwicklung einer unserer Beteiligungen beigetragen, der PVA Tepla AG. Da sich zudem die Bilanzsumme zum 31. März dieses Jahres leicht reduzierte, stieg unsere Eigenkapitalquote per 31. März weiter, auf nun 24,6 Prozent.
Die M+W Zander-Gruppe erzielte in den ersten drei Geschäftsmonaten einen Umsatz von 320 Millionen Euro und damit ein deutliches Plus gegenüber dem 1. Quartal 2004. Das EBIT lag mit 5,4 Millionen Euro ebenfalls über dem Vorjahresniveau, rechnet man dort die positiven Einmaleffekte heraus. Die Auftragseingänge lagen bei 617 Millionen Euro und übertrafen auf vergleichbarer Basis das hohe Vorjahresniveau. Der Auftragsbestand von M+W Zander erreichte 1,8 Milliarden Euro.
Im April dieses Jahres haben wir die ausstehenden Anteile an der M+W Zander D.I.B. Facility Engineering GmbH von EADS erworben. Das Unternehmen ist damit zu 100 Prozent in Besitz der M+W Zander Holding AG, was die Unternehmensstruktur vereinfacht. Das IT-Geschäft von M+W Zander stärkten wir mit der Einbringung der Teraport GmbH in die bereits börsennotierte caatoosee ag, die nun mehrheitlich zum Teilkonzern M+W Zander gehört.
M+W Zander plant für das Gesamtjahr 2005 einen Umsatz zwischen 1,5 und 1,7 Milliarden Euro. Im Facility Engineering streben wir eine EBIT-Marge von 1,8 bis 2,5 Prozent an, im Facility Management zwischen 3,0 und 3,5 Prozent.
Photonics soll 2005 knapp 400 Millionen Umsatz erreichen - ohne Akquisitionen, bei einer EBIT-Marge von wiederum 9 bis 10 Prozent. Der sehr gute Start ins laufende Geschäftjahr bestätigt diese Prognose. Der Umsatz im 1. Quartal betrug 88 Millionen Euro, was einem Zuwachs um 7,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal entspricht. Das Betriebsergebnis stieg auf 6,1 Millionen Euro.
Auch bei Photonics setzte sich der starke Auftragseingang in den ersten Monaten 2005 fort: Der Zuwachs um 36 Prozent auf 137 Millionen Euro resultiert ausschließlich aus organischem Wachstum. Der Auftragsbestand lag mit 468,1 Millionen Euro um 20,9 Prozent höher als Ende März 2004.
Verehrte Damen und Herren, in den Ausbau des Unternehmensbereiches Photonics werden wir auch im laufenden Geschäftsjahr weiter investieren. Im Zentrum stehen dabei sowohl starke und langfristige Partnerschaften sowie Investitionen in modernste Maschinen und Anlagen als auch in Akquisitionen und Beteiligungen, die Technologien ergänzen und unseren Marktzugang verbessern.
Zwei junge Beteiligungen im Photonics-Verbund, sind die Photonic Sense GmbH, Eisenach, sowie die Krämer Scientific Instruments GmbH - kurz KSI aus dem hessischen Herborn. KSI, an der wir 33 Prozent der Anteile übernahmen, entwickelt, produziert und vertreibt Ultraschallmikroskope für den Einsatz in Forschung und Industrie. Hier haben wir unsere Kompetenz in der industriellen Messtechnik gestärkt. Die Zukunft gehört hier kombinierten Systemen aus optischer Messtechnik und Ultraschall.
Die Photonic Sense GmbH gehört seit April mehrheitlich zum Photonics-Verbund. Sie ist spezialisiert auf die Herstellung von Grundkomponenten aus hochwertigem optischen Germanium und Silizium. Diese finden vor allem Anwendung in Nachtsichtgeräten, Thermo- und Überwachungskameras, so in der Automobil-Sensorik, der Medizintechnik, in Hochleistungs-Lasern sowie im militärischen Bereich, also jenen Geschäften, in denen wir seit Jahren zu Hause sind. Mit der Beteiligung sicherten wir uns den Zugang zu diesen für optische Komponenten wichtigen Grundmaterialien.
Die vor allem mittelständisch geprägten Gesellschaften, die wir im Unternehmensbereich Photonics erwerben oder an denen wir uns beteiligen, profitieren vor allem von der Zugehörigkeit zu einem Technologiekonzern sowie von der Nutzung modernster Infrastruktur für Produktion und Forschung. Gleichzeitig achten wir darauf, dass die Unternehmen einen hohen unternehmerischen Entscheidungsspielraum haben und gewährleisten somit die notwendige Flexibilität in technologieintensiven Märkten.
Das 21. Jahrhundert wird als das Jahrhundert des Photons bezeichnet. Licht ist unendlich, ist Geschwindigkeitsspitzenreiter und steht für Entwicklung, für Fortschritt. Licht im industriellen Kontext arbeitet schnell, leise, sauber und präzise. Unsere Technologiekompetenz entlang der photonischen Kette ist weltweit einmalig. Wir sind eines der wenigen Unternehmen weltweit, das die gesamte Bandbreite des Umgangs mit Licht beherrscht - vom Erzeugen über das Formen, das Erfassen bis hin zu seiner Nutzung. Unsere Geschäfte profitieren vom Wissen um den vorausgehenden als auch den nachgelagerten Schritt.
Auch außerhalb unseres Photonics-Verbundes pflegen wir intensive Kontakte - national wie auch international. Mit Jena haben wir unseren Sitz nicht nur in der Mitte Europas, sondern in einer Stadt, die seit jeher das Herz der optischen Industrie in Deutschland ist. Hier verdichten sich Forschergeist, Ingenieurswissen und feinmechanische Höchstleistungen. Jenoptik ist fest eingebunden in ein Netzwerk aus Universität, Fachhochschule, Forschungsinstituten und Hightech-Unternehmen.
Sich die Vorteile eines solchen Standortes ins Bewusstsein zu rufen ist notwendig, gerade in Zeiten gnadenloser Standortdiskussionen. Wir bekennen uns klar zu unserem Standort. Wir bekennen uns vor allem dazu, da wir mit unseren photonischen Komponenten und Systemen genau jene Hochtechnologie liefern, für die Deutschland nach wie vor weltweit berühmt ist. Und ich stelle immer wieder fest, dass Jena, was wichtige volkswirtschaftliche Daten betrifft, zum Beispiel das Lohnniveau, die Exportquote oder die Arbeitslosenquote, sich mit dem Niveau der alten Bundesländer messen kann.
Mit unserem Technologiewissen, einer deutlich verbesserten Finanzbasis, einer angestrebten klaren Fokussierung auf die Kernkompetenz Licht und einem Standort, der prädestiniert ist für Hightech rund um das Licht, wollen wir im Unternehmensbereich Photonics in Zukunft kräftig wachsen.
Unsere Wachstumspfade dafür haben wir klar definiert: Erstens die noch stärkere Vernetzung unserer Aktivitäten untereinander und zweitens, die weitere Internationalisierung.
Wir sind mit unseren photonischen Technologien heute vorwiegend in Deutschland und Europa zu Hause und wissen wohl, dass wir mit der Entflechtung von M+W Zander ein ganzes Stück Internationalität des Konzerns verlieren. Doch in den internationalen Märkten, vor allem Asiens und Nordamerikas, liegt ein enormes Potenzial, das es in Zukunft für unsere Komponenten und Systeme rund um das Licht als industrielles Werkzeug zu erschließen gilt. Wir werden dabei alle sich uns bietenden Möglichkeiten ausnutzen - je nachdem, wie es der Markt und unser Produkt erfordert und wo sich Chancen und Gelegenheiten auftun: Von Händler- und Vertriebspartnerschaften über Beteiligungen, die Neugründung von Niederlassungen bis hin zu kleineren Akquisitionen. 2004 beteiligte sich beispielsweise unser Bereich industrielle Messtechnik, die Hommelwerke, am südkoreanischen Unternehmen Telstar und ist damit in einem Markt präsent, der mittlerweile zu den führenden in der Automobilindustrie weltweit zählt.
Verehrte Anwesende, ich bin in den letzten Tagen und Wochen oft gefragt worden, ob eine Entflechtung M+W Zanders nicht ein Schritt zurück ist - vom internationalen Technologiekonzern hin zum Mittelstand. Meine klare Antwort hier ist nein! Wir wollen ein lupenreiner Technologiekonzern werden, der den Umgang mit Licht als industrielles Werkzeug beherrscht. Klarer, schlanker und dynamischer, das sind die treffenden Worte für eine neue Jenoptik. Das Wort "kleiner" genügt hier nicht.
Eine Jenoptik, die allein aus dem Unternehmensbereich Photonics besteht, ist ein leistungsfähiger Technologiekonzern mit einem Umsatz von grob 500 Millionen Euro in 2006 bzw. 2007, einer EBIT-Marge von 9 bis 10 Prozent, mit 2.600 bis 3.000 Mitarbeitern und einer Eigenkapitalquote größer als 50 Prozent. Unser operativer Cashflow wird sich aufgrund des geänderten Geschäftsmodells verstetigen. Im Zuge dessen werden Prognosen über künftige Zahlungsströme einfacher, was voraussichtlich die Nutzung von Finanzierungsmöglichkeiten an den Kapitalmärkten erleichtert. Wir erwarten, dass eine auf die Kernkompetenz Licht fokussierte Jenoptik ein höherer Unternehmenswert beigemessen wird, als dies heute der Fall ist.
Bis 2007 streben wir an, im Unternehmensbereich Photonics beziehungsweise dann als Jenoptik, die 500-Millionen-Euro-Marke zu erreichen. Langfristig sehen wir einen Umsatz von rund 1 Milliarde Euro. Um dieses Ziel zu erreichen, werden wir selbstverständlich auch Chancen wahrnehmen, zu uns passende Unternehmen zu akquirieren.
Ebenfalls weiter dynamisch wachsen wird auch die M+W-Zander Gruppe. Wie schon erwähnt, sind für das Jahr 2005 Umsätze zwischen 1,5 und 1,7 Milliarden Euro geplant. Auch für die Folgejahre gehen wir von einem starken Wachstum bei M+W Zander aus. Neben dem klassischen Geschäft mit Planung und Bau von Chip- und Flachbildschirmfabriken sowie dem Facility Management ist die Gruppe auch in Bereichen wie Photovoltaik und Nanotechnologie sehr gut positioniert. Diese Bereiche werden sich in naher Zukunft als zusätzliche Wachstumsmotoren erweisen.
Sehr verehrte Damen und Herren, verehrte Aktionäre, gemeinsam mit Ihnen planen wir, die Jenoptik zu einem Technologiekonzern zu machen, der den Umgang mit Licht als industrielles Werkzeug beherrscht. Wo wir hin wollen, habe ich Ihnen umfassend beschrieben. Wir sind uns sicher, dass wir mit unseren erfolgreichen Geschäften - und die Zahlen sprechen für sich - in Zukunft eine höhere Bewertung erfahren werden, als dies momentan der Fall ist. Für Ihr Vertrauen in die Jenoptik heute und auch in Zukunft bedanke ich mich recht herzlich.