
Als der gelernte "Mechanicus" Zeiss 1846 seine optische Werkstatt eröffnet, werden die Linsen noch wie seit Jahrhunderten durch "Pröbeln" (Ausprobieren) auf das richtige Maß geschliffen. Doch der wachsende Konkurrenzdruck und die eigene schöpferische Unruhe lassen Zeiss bald nach "einer ganz anderen Art des Zusammenwirkens von wissenschaftlicher Lehre und technischer Kunst" suchen. Mit diesem Spürsinn erweist sich Zeiss als ein Kind der industriellen Revolution.
Die Begegnung mit dem jungen Mathematik-Genie Ernst Abbe ist ein Glücksfall von historischer Bedeutung. Der Gelehrte sei "der einzige lebende Physiker und Mathematiker, der rein theoretisch die kompliziertesten optischen Instrumente berechnen kann" urteilt Professor Carl Snell 1871 über den Kollegen. Abbes Forschungen ermöglichen die industrielle Produktion komplexer Mikroskope. Später kommt der begabte Chemiker Otto Schott hinzu. Die von ihm entwickelten Glassorten eröffnen der Präzisionsoptik neue Dimensionen.
Aus der Werkstube in der Schillerstadt Jena ist ein Industriezentrum von Weltrang entstanden: deutsche Wertarbeit als Gemeinschaftswerk dreier Pioniere.
150 Jahre später werden Lothar Späth und seine Manager mit ihren strategischen Allianzen diese Bündnispolitik fortsetzen.
19.11.1846
Der Mechaniker Carl Zeiss eröffnet eine feinmechanische Werkstatt in Jena. Gründung der Firma "Carl Zeiss".
03.07.1866
Eintritt des Jenaer Universitätsprofessors Ernst Abbe in die Zeiss-Werkstatt. Abbe entwickelt die optischen Grundlagen für den wissenschaftlichen Bau von Mikroskopen.
19.05.1889
Ernst Abbe wird nach dem Tod von Carl Zeiss alleiniger Inhaber des Unternehmens und gründet die Carl-Zeiss-Stiftung Jena, in deren Eigentum später die Firma Carl Zeiss und das Glaswerk Schott übergehen.
01.07.1948
Das Zeiss-Werk und das Glaswerk Schott werden in Volkseigentum überführt. Das Zeiss-Werk entwickelt sich zum Leitbetrieb des wissenschaftlichen Gerätebaus in der DDR und später zum Kombinat