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Tangente 25. Rolf Walz - Basics in Ambigua.

Jena, 17. September 2003

Mit der ungewöhnlichen Ausstellung des Berliner Künstlers Rolf Walz (geb. 1958) setzt die JENOPTIK AG ihre hauseigene Ausstellungsreihe tangente fort.
Rolf Walz führt uns ein in das Spannungsfeld von individueller Wahrnehmung, Kopie und Original. Hiermit schließt er sich einer wichtigen Intention heutiger Kunst an und reagiert auf die Veränderungen einer von Reproduktionsmedien beherrschten Welt.
In einer für die Galerie der JENOPTIK AG konzipierten Rauminstallation, bestehend aus einem Schaufensterbild, Bildern in der Drehtür, einem Farbglas, einem Farbspiegel, einem Spiegelbild und einer Videoprojektion, wird der Betrachter in einen erkenntnisreichen Sehprozess verwickelt. In Fortführung der minimalistischen Kunsttradition ist der Betrachter für Rolf Walz der Vollender des Kunstwerks, indem er das Gesehene auf seine eigene Weise verarbeitet und deutet. Auch physisch wird der Besucher zum Teil der Ausstellung, wenn er durch die Drehtür geht, sich zwischen Farbglas und Spiegel bewegt und sich und die Umgebung aus unterschiedlichen Blickwinkeln sehen kann.
Zentrales und überall präsentes Motiv der Ausstellung sind die wartenden Angler, die schon seit längerem Bestandteil der Arbeit von Rolf Walz sind - als Schwarzweiß-Fotografie, Farbbild, Leuchtkasten, digitalisiert und aufgelöst in Farbpixel.
Anhand dieses Fotos führt der Künstler die Möglichkeiten der technischen Manipulation von Bildern und die damit einhergehende Deutungsverschiebung vor Augen. Hier erlebt der Betrachter das Bild in seiner Vergrößerung, Verdoppelung, Spiegelung, Beleuchtung, Überblendung, Fragmentierung, und Isolierung von Einzelfiguren und verknüpft - trotz der Wiederholung desselben - immer wieder andere Assoziationen und Geschichten. Der Wandlungsprozess des Bildes steht somit in spannungsvollem Kontrast zur Tätigkeit des Angelns, die doch schlechthin als gleichförmig angesehen wird.
Marie-Luise Angerer, Professorin an der Kunsthochschule für Medien, Köln, sagt zu dieser Arbeit: "Wenn wir ein Bild vergrößern und nochmals vergrößern, wenn wir dann einen Ausschnitt herausgreifen und diesen wiederum vergrößern (was technisch heute spielerisch möglich ist), dann sehen wir am Ende nichts - zumindest nicht mehr. Die Semantik des Gesamt-Bildes entzieht sich ansteigend mit seiner Vergrößerung. Doch mit seiner Fragmentierung (also wenn wir einen Ausschnitt herausnehmen und diesen immer wieder vergrößern) entsteht ein neues Bild, eine andere Bedeutung schreibt sich ein. Eine, die mit der des Gesamtbildes überhaupt nichts mehr zu tun haben muss -die möglicherweise jedoch die vielen semantischen Linien des ganzen Bildes aufdeckt."
Die Ausstellung der Galerie der JENOPTIK AG wird heute um 18 Uhr durch den Vorstandsvorsitzenden Alexander von Witzleben eröffnet.
Während der Ausstellung erscheint ein Katalog, der die Installation in Jena dokumentiert und Texte von Jörg Heiser, freier Autor (u. a. Süddeutsche Zeitung) und Redakteur des Kunstmagazins frieze, sowie Marie-Luise Angerer, Professorin an der Kunsthochschule für Medien, Köln, enthält.

Galerie der JENOPTIK AG

Carl-Zeiss-Str. 1
07743 Jena
Geöffnet Montag bis Donnerstag 9.00 bis 18.00 Uhr,
Freitag 9.00 bis 16.00 Uhr

Kurzvita Rolf Walz 1958

geboren in Altensteig
1978-85 Studium an der Akademie der bildenden Künste, Stuttgart
1987 Kunstfonds
1994-96 Karl-Schmidt-Rottluff Stipendium
1999 Deutsches Studienzentrum in Venedig
lebt jetzt in Berlin
zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen sowie Projekte