Aus Anlass des Deutsch-Französischen Jahres "Rendezvous 1806-2006" zeigt die JENOPTIK AG eine Ausstellung des in Weimar lebenden schweizerischen Künstlers Christoph Rihs.
Eine neue Serie von zehn großformatigen fotografischen Werken greift Motive der Landschaft um Jena-Cospeda, dem Schauplatz der Schlacht Napoleons gegen die Preußen, auf.
In langen Spaziergängen hat Christoph Rihs das Gelände erwandert und symbolträchtige Bildmotive - darunter uralte Bäume, stumme und doch beredte Geschichtszeugen - ausgewählt und aufgenommen. Dabei berührte ihn, wie friedvolle Idylle mit dem Wissen um das damalige kriegerische Geschehen eigenwillig kontrastiert. Zu Hause am Computer geschieht die eigentliche Arbeit in der Bearbeitung der Bilder zumeist konzentrisch angeordneten Bildmontagen, die sich dem Auge des Betrachters vielschichtig und facettenartig darbieten.
Christoph Rihs erforscht mit seiner künstlerischen Arbeit das visuelle Begreifen der Welt. Vom optischen Vorgang bis zur kognitiven Erkenntnis, von der täuschend echten Wiedergabe bis zum Weltbild, versucht er das Erleben von Raum mit verschiedensten künstlerischen Medien zu ergründen.
Seit vier Jahren stellt er Digitalfotografien her, in denen sich transparente Einzelbilder vielfach überlagern. Diese Technik empfindet den Prozess der Wahrnehmung nach und gibt die "Rest-Unschärfe" wieder, die zwangsläufig durch den kleinen Fokus unserer Augen existiert, uns aber kaum bewusst ist.
In den festgehaltenen Momenten der "Testimonials"-Serie verdichtet sich also die Dynamik des Wahrnehmungs- und Reflektionsprozesses. Die Serie reflektiert die zeitlichen Schichten, Erinnerungen, Assoziationen, Leerstellen und Wahrnehmungsbrüche, die sich beim Betrachten von historischen Schauplätzen ergeben. Da es keine fotografierbaren menschlichen Zeitzeugen der napoleonischen Schlacht mehr gibt, rückt Rihs die Natur als ambivalente Metapher und Allegorie des Geschehens in den Mittelpunkt. Bäume erscheinen surreal beseelt und nehmen einen gequälten Ausdruck an.
In einem aufwendigen Verfahren (Diasec) werden die Fotos mit einer Glasscheibe verschmolzen und diese wiederum auf eine Aluminiumplatte aufkaschiert. Dadurch erhalten die Bilder ihre besondere technische Brillanz und materielle Präsenz.
Im Rahmen des Deutsch-Französischen Jahres "Rendezvous 1806-2006" fördert die JENOPTIK AG gleich zwei künstlerische Projekte, die das Thema napoleonische Schlacht aufgreifen.
Das Projekt "Testimonials" von Christoph Rihs bildet einen reizvollen visuellen Kontrapunkt zu dem von der Stadt Jena organisierten und von der JENOPTIK AG als Hauptsponsor geförderten Audiowalk der kanadischen Künstlerin Janet Cardiff, die den Teilnehmer per Soundtrack durch eben jenes geschichtsträchtige Areal schickt.
Ausstellung in der Galerie der JENOPTIK AG, Carl-Zeiß-Straße 1 (neben der Goethe-Galerie), 07743 Jena, vom 6. Juli bis zum 8. September 2006, geöffnet Mo-Do 10 bis 18 Uhr, Fr 10 bis 16 Uhr. Eintritt frei.
Kurzbiographie Christoph Rihs
1957 geboren in Beirut, Libanon
1975-76 Auslandsjahr in den USA
1977 Abitur in Biel, Schweiz
1980-86 Kunstakademie Düsseldorf, "Integration Bildende Kunst und Architektur" bei Christian Megert
1982 Eidgenössisches Stipendium
1983-84 Rom, Stipendium am Schweizer Institut
1987-89 New York
1990 Arbeitsstipendium des Kunstfonds e.V., Bonn
1991 Projektstipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg
1990-93 Lehrauftrag an der Kunstakademie Düsseldorf
1994 1. Preis Gestaltung des Kühlturms am Kraftwerk Meppen
2001-02 Lehraufträge an der Bauhaus-Universität Weimar
2003-04 Gastprofessur an der Bauhaus-Universität Weimar,
lebt und arbeitet in Weimar und Beaune, Frankreich.