Anlässlich des 200. Jahrestages der Doppelschlacht Napoleons gegen die preußischen Truppen im Jahr 1806 macht die kanadische Künstlerin Janet Cardiff die damaligen Geschehnisse in einem Kunstwerk von besonderer Art erlebbar. Das in ausgefeilter Aufnahmetechnik entstandene akustische Kunstwerk bezieht die Seh- und Erlebnisfähigkeit des Hörers ein und regt seine Vorstellungskraft an. Die Entstehung des "Audiowalks" wurde von JenaKultur organisatorisch begleitet und von der JENOPTIK AG finanziell unterstützt.
Janet Cardiff schickt den Besucher des geschichtsträchtigen Areals per Soundtrack auf einen Spaziergang durch verschiedene Orte und zeitliche Schichten. Er wird begleitet von Stimmen und Geräuschen, die die Schlacht von 1806 greifbar nahe erscheinen lassen. Dann wieder erinnert das Dröhnen vorbeifahrender Panzer daran, dass das Gelände im 20. Jahrhundert auch als russischer Militärübungsplatz gedient hat. Verschiedene Erzählstimmen geben ihre Sicht historischer Momente wieder. "Ein Spaziergang ist ein Akt des Nachsinnens", so die Künstlerin.
Obgleich die Aufnahme des Kunstwerkes über das Gehör läuft, inspiriert es die bildliche Vorstellungskraft in besonderem Maße. Nicht zufällig spricht die Künstlerin von einem "physischen Kino". Die hohe Suggestionskraft und die originelle Technologie waren Gründe für die Entscheidung der JENOPTIK AG, dieses Kunstwerk als Hauptsponsor zu unterstützen. Janet Cardiff zeigt mit ihrer Arbeit eine neue Möglichkeit auf, wie historische Ereignisse unter Ansprache aller Sinne und unter Zuhilfenahme neuester Technologie kritisch ins Bewusstsein gerufen werden können.
Die unglaublich lebensechte "3-D"-Tonqualität wird erzeugt durch die von der Künstlerin und ihrem Mann George Bures Miller selbst entwickelte binaurale Aufnahmetechnik. Hierbei werden kleinste Mikrophone am Kopf einer Person oder eines Kunstkopfes angebracht, den die Künstlerin durch die Landschaft trägt.
Die Kopfhörer für den Soundtrack sind im Napoleon-Museum in Cospeda gegen ein Pfand erhältlich.
Am 14. Juli wird der Audiowalk von Janet Cardiff und George Bures Miller im Museum 1806 in Jena-Cospeda in Anwesenheit der Künstler und vieler Ehrengäste feierlich präsentiert.
Janet Cardiff wurde 1957, Georges Bures Miller 1960, in Kanada geboren. Beide leben und arbeiten in Berlin, Lethbridge (Kanada) und in den USA. Die Beteiligungen an Großausstellungen wie der Biennale von Venedig sowie zahlreiche Auszeichnungen verschaffen ihnen internationale Beachtung und Anerkennung.
Im Rahmen des Deutsch-Französischen Jahres "Rendezvous 1806-2006" fördert die JENOPTIK AG gleich zwei künstlerische Projekte, die das Thema napoleonische Schlacht aufgreifen. Die diesjährige Sommerausstellung in der Galerie der JENOPTIK AG zeigt großformatige fotografische Werke des in Weimar lebenden schweizerischen Künstlers Christoph Rihs, die Motive der Landschaft um Jena-Cospeda aufgreifen. Die Serie "Testimonials" bildet einen reizvollen visuellen Kontrapunkt zu Janet Cardiffs Audiowalk.