Heute vor dreißig Jahren startete die Multispektralkamera MKF-6 zu ihrem ersten Einsatz und legte den Grundstein für die Entwicklung des Raumfahrtstandorts Jena. Die Jenoptik-Tochter Jena-Optronik knüpft mit der Entwicklung und Herstellung von digitalen Multispektralkameras an die Tradition und Erfahrungen der ersten Generation Jenaer Raumfahrtentwicklungen an.
Am 15. September 1976 startete Sojus-22 vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur zu einer acht Tage währenden Reise, um erstmals multispektrale Aufnahmen der Erde zu liefern. An Bord des Raumschiffs: Die vom VEB Carl Zeiss Jena entwickelte und gefertigte Multispektralkamera MKF-6 (Multispektraler Kosmischer Fotoapparat). Nach nur drei Jahren Entwicklungszeit entstanden bei ihrem ersten Einsatz mehr als 2.000 Aufnahmen und ermöglichten in sechs verschiedenen Spektralkanälen erste Blicke auf die Erde. Die entstandenen Bilder lieferten Erkenntnisse über die Beschaffenheit der Erde, ihre Bodenschätze, Verschmutzung und Vegetation. Die Datenauswertung und -interpretation lieferte Informationen für Land-, Forst- und Gewässerwirtschaft, Bergbau und Straßenbau. Die Thematik der Multispektralfotographie und dazugehörigen Prüf- und Auswertetechnik war für den VEB Carl Zeiss Jena ein völlig neues Aufgabengebiet.
Mit der erfolgreichen Entwicklung der Multispektralkamera MKF-6 wurde vor 30 Jahren der Grundstein für die Jena-Optronik GmbH gelegt. "Die damals erworbene Raumfahrtkompetenz und die Entdeckung des Aufnahmestandorts Weltall bildeten die Vorraussetzung für unser heutiges Produktportfolio", so Dietmar Ratzsch, Geschäftsführer des Unternehmens. Jena-Optronik, heute 100-prozentige Tochter des Jenoptik-Konzerns, ist im Jahr 1991 aus der Abteilung Weltraum des Kombinats entstanden und beschäftigt am Standort Jena 135 Mitarbeiter. Der Schwerpunkt liegt heute weiterhin auf der Entwicklung opto-elektronischer Systeme zur Erdbeobachtung. So knüpft das Unternehmen mit dem 2004 abgeschlossenen Vertrag über die Entwicklung und Herstellung von Multispektralkameras für die RapidEye-Satelliten an die Tradition und Erfahrungen der ersten Generation Jenaer Raumfahrtentwicklungen an. Die neuen digitalen Kamerasysteme ermöglichen die ständige globale Datenabdeckung und liefern Informationen für Landwirtschaft, Umweltschutz und Klimaüberwachung. Erdbeobachtungsdaten helfen die Veränderungen auf der Erde wahrzunehmen und bewusster gegenzusteuern.
In Zukunft wird das Erdbeobachtungsprogramm GMES (Global Monitoring For Environment and Security) der Europäischen Kommission und der Europäischen Weltraumagentur ESA Daten der Landoberflächen und Ozeane liefern. Die geplanten Satelliten (Sentinels - Wächter) werden so zum Beispiel einen Beitrag zum Verständnis des Klimawandels liefern und sollen dabei auch durch Hochtechnologie aus Jena unterstützt werden.
Die Jena-Optronik GmbH gehört zu den Pionieren der Weltraumforschung und entwickelt, fertigt und vertreibt opto-elektronische Instrumente und Systeme für verschiedene Anwendungen im Bereich der Raumfahrt- und der Sicherheitstechnik. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der führenden Instrumenten- und Systemanbietern auf dem internationalen Luft- und Raumfahrt-Markt entwickelt. Darüber hinaus bietet die Jena-Optronik umfassende Dienstleistungen für die Auswertung erfasster Daten. Die Jena-Optronik mit rund 135 hochqualifizierten Mitarbeitern am Standort in Jena gehört zu 100 Prozent zum Jenoptik-Konzern und ist ein Unternehmen der Sensorik-Sparte.