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Raumfahrt: die Jena-Optronik und die Erdbeobachtung.

Die Sonne zu simulieren - selbst darin hat die Jenoptik Expertise. In Gestalt der Jena-Optronik GmbH materialisiert sich die Weltraumkompetenz des Konzerns. Das Unternehmen stattet zahlreiche Missionen mit Instrumenten und Systemen aus. Um sie unter Weltraumbedingungen auf der Erde zu testen, sind neben dem umfangreichen Know-how der Mitarbeiter komplexe Testanlagen notwendig. In den vergangenen Jahren hat die Jena-Optronik entsprechend den Markanforderungen ihre Testanlagen so ausgerichtet, dass eine Serienfertigung von Weltraumgeräten möglich ist.
Getestet und fit fürs All gemacht werden hier unter anderem Lageregelungssensoren: Sie garantieren die exakte Ausrichtung von Satelliten im Orbit .Neu eingerichtet wurden vier Thermal-Vakuum-Kammern. Die Jena-Optronik kann nun im Haus testen und sicherstellen, dass ihre Weltraumprodukte mit einer Lebenszeit von bis zu 20 Jahren den Missionsanforderungen gewachsen sind.

Neben Lageregelungssensoren sind es vor allem Instrumente zur Erdbeobachtung, mit denen sich das Unternehmen weltweit einen Namen gemacht hat. Darunter sind Abkömmlinge der Multispektralkamera MKF-6, die vor fast 30 Jahren bei Carl Zeiss in Jena entwickelt worden war. Etwa die Produktfamilie Jena Spaceborne Scanner (JSS): Diese Multispektralkameras verfügen über eine hochmoderne Dreispiegeloptik und ein digitales Aufnahmegerät; CCD-Fotoelemente scannen die Erdoberfläche Zeile für Zeile ab (Pushbroom-Prinzip).

Mithilfe des JSS 56 wird das deutsche Unternehmen RapidEye AG im Jahr 2007 einen Geo-Informationsservice etablieren. Eine Flotte von fünf Satelliten, auf denen sich die Instrumente befinden, ermöglicht eine Datenabdeckung der gesamten Erde innerhalb von 48 Stunden. Die Kamera arbeitet im sichtbaren Wellenlängenbereich und im nahen Infrarot. Die Daten liefern Informationen für Landwirtschaft und Kartografie. Anwender sind zum Beispiel landwirtschaftliche Versicherungsunternehmen, die Schäden prognostizieren oder ermitteln wollen, daneben Institutionen wie die EU, aber auch Agrarhändler, die an Warenterminbörsen handeln, oder landwirtschaftliche Großbetriebe, die Präzisionsanbau betreiben. Eine technologische Herausforderung für die Entwickler der Jena-Optronik war, das System so klein zu gestalten, dass es auf einer Kleinsatellitenplattform unterzubringen ist. Und das ist gelungen: Frontoptik, die Fokalebene und die Datenverarbeitung an Bord sind konkurrenzlos klein.
Mit dem Instrumentkonzept METimage arbeiten die Entwickler aus Jena außerdem an einem abbildenden Radiometer, welches Spektralkanäle im mittleren und thermischen Infrarot-Bereich anbietet. Unterstützt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und vom Deutschen Wetterdienst soll es als nationaler Beitrag in zukünftige europäische Meteorologie- und Umweltsatelliten integriert werden.

Auch der Jena Airborne Scanner kann seinen Stammbaum sehen lassen: Die JAS 150 geht auf die MSK-4 zurück, eine flugzeuggestützte Version der Multispektralkamera MKF-6, ebenfalls rund 30 Jahre alt. Seit vergangenem Jahr existiert der Prototyp des digitalen Scanners. Darüber hinaus hat das System die höchste Auflösung im Marktsegment der Luftbildkameras. Mit der integrierten Software JenaStereo können die gewonnenen Daten verarbeitet und dreidimensionale Terrain-Modelle erstellt werden. Interessant sind die gewonnenen Daten beispielsweise für Städteplanung, Erntekontrolle und Hochwasserprognosen.

Strategisch bedeutsam für die Jena-Optronik war die Entscheidung des Ministerrats der Europäischen Weltraumorganisation ESA im Dezember 2005: Demzufolge bleibt Deutschland die zweitgrößte europäische Raumfahrtnation nach Frankreich. Spezialgebiet ist die Erderkundung, für die die Bundesrepublik mit 31 Prozent die Führung übernehmen soll: hier wird sich die Jena-Optronik mit ihren opto-elektronischen Systemlösungen beteiligen.