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Minuten statt Tage: Asphärische Linsen im Schnellverfahren.

Die industrielle Messtechnik, zusammengefasst in der Hommel-Etamic, arbeitet inzwischen nicht mehr nur mit Optik, sondern auch für die Optik - namentlich für asphärische Linsen, die eine Spezialität der Jenoptik-Optikfertigung darstellen. Asphärische Linsen sind optische Multitalente. Bei sphärischen Linsen, also Linsen mit kugeliger Oberfläche, entstehen physikalisch bedingte Abbildungsfehler. Diese zu korrigieren, braucht man immer ein System aus mehreren solcher Linsen. Asphärische Linsen dagegen vermeiden solche Fehler durch ihre Form. Die Brechungswinkel ändern sich, indem die Linse gezielt deformiert wird und von der Kugelform abweicht.

Eine einzelne asphärische Linse kann mehrere sphärische Linsen ersetzen, im Fall der Jenoptik-Produkte speziell in anspruchsvollen und in Hochleistungoptiken: Sie werden in Teleskopen eingesetzt, in der Weltraumtechnologie und für militärische Anwendungen, aber auch für die Lasermaterialbearbeitung, die optische Präzisionsmesstechnik und die Lithografie in der Halbleiterherstellung. Um Asphären zu fertigen, die nur Bruchteile einer Wellenlänge von ihrer Sollkontur abweichen dürfen, braucht es heute noch enormen zeitlichen und technischen Aufwand. Der Prozess ist nicht automatisiert, sondern hängt stark von individueller Erfahrung ab; für eine neue Linse einer kleinen Serie benötigt man bis zu mehreren Tagen. Im Vergleich zu sphärischen Linsen kostet ihre Herstellung etwa das Zehnfache.

Das Projekt Asphero5 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ist ehrgeizig: 5 steht dafür, dass man in Zukunft eigentlich nur noch Minuten, auf jeden Fall aber eine deutlich kürzere Zeitspanne als bisher für eine neue asphärische Linse ansetzen will - und das ohne Ausschuss. Mehrere Unternehmen haben sich der wirtschaftlicheren Herstellung von Asphären des gehobenen Standards verschrieben. Unter der Projektkoordination der Schneider GmbH & Co. KG, einem Optikmaschinenhersteller aus Hessen, arbeiten daran auch die Jenoptik-Töchter Hommel-Etamic und Jenoptik Laser, Optik, Systeme; zudem sind auch Carl Zeiss und das Institut für Mess- und Regeltechnik der Universität Hannover beteiligt.

Entwickelt wird ein Schleif- und Bearbeitungsprozess für asphärische Linsen, der die Messtechnik integriert und Rüst- und technologische Liegezeiten deutlich senkt. Mitte 2007 soll die Vorlage für künftige Maschinen abgeschlossen sein. Dabei fungiert Hommel-Etamic als Spezialist für hoch präzise Messverfahren: Im Wavecontour®-Verfahren wird eine Präzisionskugel mit konstantem Anpressdruck über die Linsenoberfläche geführt - mit ihrer Hilfe entsteht ein Profilschnitt in Nanometerauflösung. Die tastende Messmethode erhielt gegenüber der optischen den Vorzug: Zum einen spiegelt die Linsenoberfl äche in diesem Stadium noch nicht, reflektiert also auch keinen Messstrahl, zum anderen könnten noch Reste der Schleifemulsion auf den Linsen liegen und das Ergebnis verfälschen. Somit verspricht das tastende Verfahren insgesamt präzisere Ergebnisse.

Die Aufgabe der Jenoptik Laser, Optik, Systeme im Projekt ist es, die Maschine auf Herz und Nieren zu prüfen, mit ihr verschiedene Schleifmittel zu testen oder den Druck beim Schleifen zu variieren - letztlich mit dem Ziel, dass die Nachbearbeitung so gering wie möglich ausfällt. Mit dem ersten Produktionseinsatz einer fertigen Maschine kann in zwei bis drei Jahren gerechnet werden. Da es einen derartigen Prozess derzeit auf dem Weltmarkt noch nicht gibt, verspricht er wesentliche Wettbewerbsvorteile in der Asphärenherstellung.

Damit stärkt Jenoptik ihre Optikfertigung - ohnehin eine der besten der Welt - um eine weitere Spezialkompetenz. Hochleistungsoptiken sind ihr Spezialgebiet, beispielsweise für die Halbleiterindustrie: Für die nanometerfeinen Chipstrukturen müssen die Optiken, die den Laserstrahl in den Lithografiesystemen formen und lenken, in äußerster Präzision gearbeitet sein. Dafür bietet Jenoptik Interferenzfilter, die für einen streng monochromatischen Strahl sorgen, oder Prismen, die einen Laserstrahl äußerst parallel werden lassen. Zum Portfolio zählen zudem komplette Objektive beispielsweise für die Messtechnik, aber auch Infrarotoptiken. Mikrooptik ist ein weiteres, relativ junges Zugpferd der Jenoptik Laser, Optik, Systeme: Die diffraktiven optischen Elemente beruhen auf dem Prinzip des Beugungsgitters und können Laserstrahlen beliebig formen und lenken.

Mit ihren vielfältigen Materialien, den Beschichtungsmöglichkeiten und dem Know-how ihrer Mitarbeiter hat sich Jenoptik vollkommen auf High-End-Abnehmer spezialisiert. Letztlich gilt für alle Jenoptik-Sparten: Die Jenoptik bedient Märkte, wie sie anspruchsvoller kaum sein könnten. Und das so passgenau und zuverlässig, dass der Kundenstamm stetig wächst.

(Geschäftsbericht 2006)