Die Jenoptik-Tochter ROBOT Visual Systems finanziert eine Doktorandenstelle am Lehrstuhl für Digitale Bildverarbeitung der FSU Jena. Ziel des geförderten Promotionsprojekts ist es, Grundlagenforschung auf dem Gebiet "Lernen aus wenigen Beispielen" zu betreiben und neue Methoden zu untersuchen und zu entwickeln, die innerhalb kürzester Zeit auch in industrielle Produkte, wie einem Kennzeichenleser, Einzug finden sollen.
Der Mensch ist schon sehr früh in der Lage, aus wenigen gesehenen Beispielen zu verallgemeinern und ähnliche Objekte zu erkennen, ohne sie vorher jemals gesehen zu haben. So genügt es einem kleinen Kind, einmal eine Tüte mit Süßigkeiten gesehen und deren "Bedeutung" verstanden zu haben, um in der Folge während des Einkaufens das Warten an der Kasse für die Eltern zur Qual werden zu lassen.
Entwickelt ein Unternehmen solch ein System, so müssen innerhalb kürzester Zeit anhand weniger Beispieldaten Kennzeichen einer speziellen Nation (z.B. Österreich) oder einer Nationengruppe (z.B. Skandinavien) angelernt werden können. "Heute erhalten wir Anfragen von privaten und staatlichen Einrichtungen unterschiedlicher Länder, die innerhalb kürzester Zeit ein System entwickelt haben wollen, das Kennzeichen lesen können soll, für die wir noch keinen Erkenner haben", so Dr. Michael Lehning, Leiter der Arbeitsgruppe für bildverarbeitende Systeme bei der Robot Visual Systems GmbH. "Leider erhalten wir von unseren Industriepartnern in der Regel nicht genügend Beispiele, um ein System wie einen Kennzeichenleser für eine neue Nation mittels Standardmethoden zu entwickeln", beschreibt Prof. Dr. Joachim Denzler, Inhaber des Lehrstuhls Digitale Bildverarbeitung der Friedrich-Schiller-Universität Jena, das aktuelle Problem. "Wir brauchen deshalb neue Methoden, die bestehende Erkenner anhand weniger Beispiele von bisher nicht gelernten Kennzeichen anpasst und dabei eine hohe Erkennungsrate sicherstellt.", charakterisiert der Diplom-Informatiker Erik Rodner sein zukünftiges Promotionsprojekt. Dazu stellt die ROBOT Visual Systems GmbH, eine Tochter der Jenaer JENOPTIK AG, vorerst für die kommenden zwei Jahre die finanziellen Mittel zur Verfügung.
Heutige maschinelle Systeme, die Erkennungsaufgaben anhand von Kameras aufgenommener Bilder lösen sollen, sind noch weit von solch einer Leistungsfähigkeit entfernt. Typisches Vorgehen ist es deshalb, eine große, repräsentative Stichprobe aus Beispielen zu sammeln und mit diesen das System "anzulernen". Solch ein Vorgehen ist aus Sicht der industriellen Anwendung in vielen Fällen nicht praktikabel, da die Datenerhebung ein extrem teurer, zeitaufwändiger und teilweise auch praktisch unmöglicher Prozess ist. Ein Beispiel ist das automatische Erkennen und Lesen von KFZ-Kennzeichen, um eine elektronische, bargeldlose Maut zu erheben. Zwar sehen Nummernschilder prinzipiell alle ähnlich aus, jedoch erfordern gerade die kleinen Variationen zwischen verschiedenen Nationen eine Anpassung der Software, um eine hinreichend hohe Erkennungsrate zu erreichen.
Im November 2005 hatte Jenoptik das erste Promotionsstipendium an einen Doktoranden der Physikalisch-Astronomischen Fakultät der FSU Jena vergeben. Der Diplom-Physiker Alexander Szameit untersucht die lineare und nichtlineare Ausbreitung (Propagation) von Licht in Wellenleiter-Arrays am Institut für Angewandte Physik. Die Fähigkeit, das Überkoppeln von Licht in andere Wellenleiter steuern zu können, ist nicht nur von grundlegendem physikalischen Interesse, sondern verspricht auch eine breite technische Anwendung in der Messtechnik und Datenverarbeitung. Betreut wird diese Arbeit von Prof. Dr. Andreas Tünnermann.
Jenoptik ist Spezialist für photonische und mechatronische Technologien und gehört in ausgewählten Bereichen zu den Technologie- und Marktführern. Jenoptik ist in den vier Kompetenzfeldern Laser, Optik, Sensorik und Mechatronik aktiv. Rund 3.200 Mitarbeiter des Jenoptik-Konzerns erzielten 2006 einen Umsatz von 485 Mio. Euro und ein Betriebsergebnis von rund 38 Mio Euro.
Im Bereich Verkehrssicherheitstechnik ist Jenoptik mit ihrer Tochtergesellschaft ROBOT Visual Systems GmbH weltweit marktführend. Die Jenoptik-Tochter entwickelt, produziert und vertreibt Komponenten und Systeme für die Verkehrs-Sicherheitstechnik. Zum Produktportfolio gehören unter anderem die bekannten Marken Traffipax und Multanova, die weltweit dazu beitragen, den Straßenverkehr sicherer zu machen. Darüber hinaus werden Komponenten für die automatische Mauterhebung (Toll Enforcement), umfassende Systeme und Dienstleistungen rund um den Straßenverkehr (zum Beispiel zur Überwachung von Ein-, Aus- und Durchfahrten) sowie OEM-Produkte entwickelt, gefertigt und vertrieben. Über eigene Tochterunternehmen und über Händlervertretungen ist Jenoptik im Bereich der Verkehrssicherheitstechnik in rund 60 Ländern vertreten. Die Tochtergesellschaft Robot mit Hauptsitz in Monheim nahe Düsseldorf hat mehr als 200 Mitarbeiter und gehört seit 1999 zu 100 Prozent zum Jenoptik-Konzern in der Sensorik-Sparte.