Die Galerie der JENOPTIK AG und der Jenaer Kunstverein widmen dem in den USA bei Boston lebenden Künstlerpaar Otto Piene und Elizabeth Goldring Piene eine Doppelausstellung. Die Ausstellung ist Beitrag zu "Jena - Stadt der Wissenschaft 2008".
Otto Piene und Elizabeth Goldring Piene setzen sich - wenngleich auf sehr unterschiedliche Weise - explizit mit visueller Wahrnehmung im technischen Zeitalter auseinander. Beider Anliegen ist es, mit Kunst zur humanen und poetischen Gestaltung unserer technisierten Welt beizutragen, und beider Werk handelt von Licht und Schatten. In dieser Doppelausstellung, der ersten dieser Art, begegnen wir zwei völlig eigenständigen Künstlerpersönlichkeiten, die sich dennoch auf subtile Weise ergänzen, stützen und inspirieren. Die Doppelausstellung Piene/Goldring lässt erkennen, wie beide Künstler im wechselseitigen Austausch gemeinsame Projekte entwarfen, während sich gleichzeitig markante individuelle Wege herauskristallisierten, in denen wiederum bei der Arbeit Elemente des Anderen reflektiert sind.
Der Lichtraum mit seinen vielen Variationsmöglichkeiten gehört bis heute zum Arbeitsgebiet des ausgesprochen vielseitigen Künstlers Otto Piene. Auch für die JENOPTIK AG konzipierte Otto Piene einen Lichtraum, der in der Flüchtigkeit seiner visuellen Erscheinungen den Betrachter an die ephemere Schönheit von Naturereignissen erinnert. Bereits in den 60er Jahren entwickelte er die anfangs noch rein mechanische Variante des "Lichtballetts", dessen Lichtformen - Strahlen, die durch eine Perforation fallen und deren Reflektionen - sich stetig verändern und unwiederbringlich zu anderen Konstellationen verschmelzen. Das wenig später entstandene automatische "Lichtballett" bestand bereits aus einer Reihe von programmierten Lichtobjekten, die - einer speziellen Choreographie folgend - den Raum illuminierten. So wurden ganz neue Kunst- und Erlebnisräume erschlossen und neuartige visuelle und sensorische Reize vermittelt.
Die "Retina Prints" von Elizabeth Goldring Piene, von denen eine Auswahl im Jenaer Kunstverein zu sehen sind, halten einen mit dem Laserophthalmoskop erzeugten Bildeindruck ihres Auges fest und zeigen gleichzeitig eine Aufnahme der sehenden Netzhaut. Diese ist mit ihrem meist deutlich erkennbaren Sehnerv und dessen fein verästelten Bahnen so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Ergänzend präsentiert Goldring Beispiele ihrer Eye Poems, die - lediglich im Medium Sprache - genauso wie die Prints von Vorgängen ihres Auges und dessen indirekter oder verformter Sehweise handeln.
Filme und Dokumentationen begleiten das Ausstellungsereignis, das ein Beitrag zum Programm Jenas als Stadt der Wissenschaft 2008 ist. Die Kooperation zwischen der JENOPTIK AG und dem Jenaer Kunstverein e.V. setzt eine bewährte projektbezogene Partnerschaft wie zuletzt im Frühjahr bei dem Licht-Kunst-Projekt "Wackelkontakt" mit Studenten der Bauhaus-Universität Weimar fort.
Otto Pienes (geb. 1928 in Laasphe, Westfalen) internationale künstlerische Laufbahn begann in Deutschland mit der legendären Künstlerbewegung ZERO, die er 1957 mit Heinz Mack gründete. Er forderte damals eine Kunst, die das Zeitalter der technischen Entwicklungen visuell reflektieren und deshalb einen Neubeginn der Malerei von der Ebene "Null" unter Rückbesinnung auf das Elementare markieren sollte. Licht, Bewegung, Raum, Zeit, Dynamik, Vibration und serielle Struktur charakterisieren für ihn und Heinz Mack das Lebensgefühl im Zeitalter des Flugzeuges und der Weltraumerkundung. Es inspiriert ihn zu bezaubernden Projekten, die den Sinn für die Schönheit von Himmel und Gestirn sowie der Elemente Luft, Licht und Erde wecken.
Nach seiner Übersiedlung in die USA in den sechziger Jahren konnte Otto Piene das bereits in der ZERO-Zeit im Kern erdachte künstlerische Konzept weiter ausbauen und mit Leben füllen. Als Direktor des Center for Advanced Visual Studies am Massachusetts Institute of Technology (MIT) (seit 1974) realisierte er die Idee eines künstlerischen "Laboratoriums" und wirkte als Verbindungsstelle zwischen neuen Technologien und Kunstformen. Zu den Höhepunkten der mit seinem Team durchgeführten Projekte gehörten ein großer künstlicher Regenbogen, der die Zuschauer der Abschlussfeier der Olympischen Spiele 1972 in München überraschte, sowie "Centerbeam", ein Strahl am Himmel als Sinnbild für den Electronic Super Highway, der erstmals 1977 für die Documenta in Kassel realisiert wurde.
Elizabeth Goldring Piene (geb. 1945 in Forest City, Iowa) ist Dichterin, bildende Künstlerin und Senior Fellow am Center for Advanced Visual Studies am MIT in Cambridge/MA. Sie war Otto Pienes Projektpartnerin bei zahlreichen Kunstereignissen sowie den seit 1981 bislang fünfmal durchgeführten SKY ART Conferences. Im 1986 gemeinsam formulierten Manifest heißt es dort unter anderem: "Unsere Hinwendung in den Weltraum bedeutet eine grenzenlose Erweiterung menschlichen Lebens und menschlicher Vorstellungs- und Schaffenskraft. Der Aufstieg in den Himmel wird gespiegelt vom Einstieg in unseren inneren Raum, der seinerseits den Kosmos widerspiegelt..." Nicht zufällig wurde Elizabeth Goldrings Entwicklung einer "Sehmaschine für Blinde", in der Komponenten eines Laserophthalmoskops mit Videoprojektionen kombiniert sind, von der National Aeronautics and Space Administration (NASA) gesponsert.
Entschieden geprägt wurde Goldrings Leben durch eine Sehbehinderung und die Erfahrung zeitweiliger völliger Blindheit in Folge einer Diabeteserkrankung. Auf paradoxe Weise löst gerade diese Erfahrung ihre Hinwendung zur visuellen Kunst aus. Mit ihrer durch den Verlust des Sehens geschärften Wahrnehmung wendet sie sich dem Sichtbaren zu, dessen lichterfüllte sowie dunkle Seiten zum intensiven Erlebnis werden. Über die Jahre transformiert Goldring ihre Schwäche in eine Stärke. Als sie beim Augenarzt das als Diagnosegerät eingesetzte Laserophthalmoskop kennenlernte, erkannte sie sofort das Potential, das in diesem Gerät für die Kunst steckte. Bis heute hat sie nicht aufgehört, dessen Möglichkeiten zu erkunden und erfand ein ganz neues Verfahren zur Darstellung von Bildern, die Retina Prints.
Für Medienvertreter besteht die Möglichkeit der individuellen Vorbesichtigung und des Gesprächs mit Professor Otto Piene und Elizabeth Goldring Piene am Montag, 3. Dezember.
Anmeldung bitte unter 03641 652255 oder 652358.
Am Mittwoch, 5. Dezember 2007, 17:00 Uhr, wird Professor Otto Piene an der Bauhaus
Universität Weimar, Hauptgebäude (Oberlichtsaal), Geschwister-Scholl-Straße 8, einen Vortrag "Unkategorisch - Das Ende vom Anfang" halten.
Dienstag, 4. Dezember 2007, um 18:30 Uhr
in der Galerie der JENOPTIK AG,
anschließend in den Räumen des Jenaer Kunstvereins e.V.
Dr. Michael Mertin, Vorstandsvorsitzender JENOPTIK AG
Jürgen Conradi, Zweiter Vorsitzender Jenaer Kunstverein e.V.
Dr. Albrecht Schröter, Oberbürgermeister der Stadt Jena
Ausstellung vom 05.12.2007 bis 08.02.2008
Galerie der JENOPTIK AG (Otto Piene - Lichtraum)
Carl-Zeiß-Straße 1 l 07743 Jena l pr@jenoptik.com l www.jenoptik.com/piene-goldring
Jenaer Kunstverein e.V. (Elizabeth Goldring Piene - Retina Prints)
im Optischen Museum l Carl-Zeiß-Platz 12 l 07743 Jena
geöffnet
Montag bis Donnerstag 10 - 17 Uhr, Freitag 10 - 15 Uhr
- Eintritt frei -