Jena, 22.10.2010
Blau als Farbe steht vor allem für Technik und Wissenschaft, für Zuverlässigkeit sowie für Vertrauen und Klarheit. Die Hausfarbe von Jenoptik ist seit Beginn an Blau, allerdings der Farbton hat sich in den letzten 20 Jahren verändert. Nun stellt die Kunstausstellung Tangente 37, die sich dem Künstler Hans Peter Reuter widmet, die Berührung von Jenoptik, Blau und Kunst her.
In Hans Peter Reuters Werken gibt es drei konstante Größen: den Raum, die Farbe Blau und das Quadrat. Große blaue Raumbilder mit einer verblüffenden illusionistischen Tiefe kennzeichnen seine frühe Schaffensphase. Zum idealen Blau entwickelt sich ab Mitte der achtziger Jahre das Ultramarin dunkel. Obwohl die drei Parameter Blau, Quadrat und Raum in seinen Arbeiten kontinuierlich wiederkehren, entfernen sich seine neuesten Werke, darunter auch das großformatige Werk dieser Ausstellung in der JENOPTIK AG, von seinen früheren Arbeiten. Es sind keine Raumillusionsbilder mehr, sondern bildhafte Organisationen und Schichtungen, die sich in den realen Raum ausdehnen und in ihren weißen Kastenrahmen zu schweben scheinen.
Das ausgestellte Werk von 2007 wird von einem beträchtlichen Variantenreichtum geometrischer Formen des Drei- und Vierecks dominiert. Bereits der Titel des Exponates „Was von den Sternen übrig blieb“ impliziert eine recht experimentelle und freie Umsetzung seines künstlerischen Grundtenors. Die Arbeit besteht aus Restbeständen von Reuters Rauminstallation „Kaiserblau“ im Kaisersaal des Reichstagspräsidentenpalais in Berlin, welche 2002 entstanden ist. Der Zuschnitt seiner 7917 Würfelsterne, die die Wände des Saales füllen, hat diese Reste in diversen Dreiecks- und Vierecksformen hinterlassen, die nun ihre endgültige Verwendung in dieser Arbeit fanden.
Während die unzähligen Formen des Exponats – es sind ca. 1000 Stück – Chaos, Unruhe und Wirrwar suggerieren, stellt das Ultramarin dagegen Ruhe und Ordnung her. Auf den ersten Blick scheinen sich die unendlichen, fast ins Körperliche gehenden Formen und die Beständigkeit der blauen Farbe unvereinbar gegenüber zu stehen. Doch liegt Reuters Bestreben darin „das Chaos zu begreifen, indem er es strukturiert und ordnet.“ Und dies geschieht wiederum mit dem Erhalt seiner Grundparameter.
Indem der Künstler das Formenchaos mit seinem Ordnungsprinzip überzieht, erreicht er es, die bildnerische Einheit in diesem Werk herzustellen. Doch in dieser Strukturierung sowie Reduzierung seiner künstlerischen Ausdrucksmittel liegt letztendlich auch die Transzendenz seiner Ausdrucksweise.

TiPs-TV production
22. Oktober 2010 – 31. Januar 2010
Foyer der JENOPTIK AG
Carl-Zeiß-Straße 1, 07743 Jena.
Ernst-Abbe-Hochhaus
Öffnungszeiten: Mo – Do 10 bis 17 Uhr, Fr 10 bis 15 Uhr,
Eintritt frei.
Franziska Müller
Referat Kunst und Kultur
JENOPTIK AG
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